Der Beginn von Shevet Achim


Folgender Text ist ein Kapitel aus dem Buch „Dr. Max Sandreczky and the Marienstift Children´s Hospital“ welches die Geschichte unseres Gebäudes zusammenfasst. Ausgenommen das letzte Kapitel, das kurz die Geschichte von Shevet Achim erzählt.

Die Amuta (hebräisches Wort für gemeinnützige Organisation) begann ihre Arbeit im Sommer 1994. Ein amerikanischer Journalist war ein Volontär bei einer christlichen Organisation, die half russische Juden umzusiedeln. Zu dieser Zeit kam eine nicht-jüdische Ukrainerin die ihn bat, ihrem dreizehnjährigen Sohn Andrei zu helfen, der eine Knochenmarktransplantation für 64.000 $ benötigt. Der zuständige Professor dieses Programms an einem israelischen Krankenhaus sagte, ohne Behandlung würde Andrei in ein paar Monaten sterben, aber er glaubte, es wäre möglich ihn zu retten. „Aber ich muss Ihnen eine Sache sagen: Er könnte sterbend in der Tür zur Notaufnahme liegen, wir lassen ihn nicht rein, bis nicht jeder Dollar bezahlt ist“. Als Antwort kam eine Koalition von Juden und Christen, sekulär und religiös, zustande um das Geld aufzutreiben. Auch das Krankenhaus wurde gefragt beizutreten um die Kosten zu senken. Der Professor sagte, dass wird niemals passieren. Aber nach ein paar Wochen stimmte das Krankenhausmanagement zu, die Kosten um mehr als ein Drittel zu senken.

„Sagen Sie mir, wie Sie das gemacht haben?“ fragte der Professor.

„Nun, wir haben gebetet“, antwortete der Journalist.

„Nein, ernsthaft, was haben Sie gemacht?!"

Andrei bekam seine Transplantation und schien geheilt von seiner Leukämie. Ein Jahr später kam die Nachricht aus der Ukraine, dass er plötzlich erkrankte und starb. Aber er und seine Familie wussten, dass alles, was möglich war, für ihn getan wurde, und Andrei´s Leben den gleichen Wert hatte, wie das jeden anderen Kindes.

Im Jahr 1996 zog der Journalist mit seiner Familie nach Rafah im südlichen Gazastreifen, wo sie im Shaburra Flüchtlingscamp wohnten. Die Verantwortung für das Gesundheitswesen wurde an die neu gegründete Palästinensische Autonomiebehörde übergeben, und viele Kinder in Gaza, die dringend medizinische Versorgung benötigten, konnten keine Überweisungen mehr in israelische Krankenhäuser bekommen.

Dr. Ami Cohen hatte gerade seine Arbeit mit der Amuta „Save a Child´s Heart“ gestartet, die nicht israelischen Kindern zu Herzoperationen am Wolfson Medical Center in Holon verhalf. Cohen wollte palästinensische Kinder erreichen, hatte aber Schwierigkeiten Beziehungen zu dem Beamtenapparat im Gazastreifen aufzubauen. So begann der Journalist die Kinder mit angeborenem Herzfehler zu suchen und nach Israel zu bringen.

Der Rinnsal wuchs zum Bach und dann zu einem Fluss.; Cohen war ein Mann des Glaubens, dessen Einstellung war „bringt einfach die Kinder, wir werden das Geld später auftreiben“. Er starb unerwartet 2001 beim Besteigen des Kilimandscharo, aber seine Kollegen haben das Programm weitergeführt und vergrößert. Zum jetzigen Zeitpunkt wurden mehr als tausend palästinensische Kinder im Wolfson Medical Center behandelt. Shevet Achim ist weiter dabei, die Kinder von Gaza über die Grenze bis nach Holon zu bringen.

Nachdem der Golfkrieg 2003 endete, reiste der Journalist in den Iraq, um zu sehen, was dort mit den Kindern mit Herzfehlern passiert. Beim Besuch von Saddams Palast in Baghdad, sah er die riesigen Wandgemälde, die die Scud-Raketenangriffe auf Tel Aviv verherrlichten; es war schwer sich vorzustellen, dass irgendein Kind von diesem Erzfeind jemals eine Herzoperation in derselben Stadt haben würde.

Aber beim Besuch eines Krankenhauses in Kirkuk, ein zwei Tage altes Baby lag auf einem Pult vor dem Journalist. Der amerikanische Armeekardiologe John Scott machte ein provisorisches Kardiogramm mit einem Minensonargerät. Dabei fand er heraus, dass bei dem kleinen Mädchen die beiden großen Arterien vertauscht sind, und eine Operation in einem spezialisierten Krankenhaus innerhalb der nächsten zwei Wochen braucht. Mit Tränen in den Augen sagte Scott, er sehe das jede Woche und hat keine Lösung den Kindern zu helfen.

Der Journalist wusste, die Ärzte in Israel würden dem Kind helfen. Aber würden auch die Familie, und die Regierungsbehörden von Iraq und Israel zustimmen? Die Familie hatte keine Reisepässe und das Baby bräuchte eine Notbehandlung in Baghdad bevor es weiterreisen könnte. Es schien unmöglich umzusetzen, doch wieder einmal kam eine Gruppe zusammen einem unschuldigen Kind das Leben zu retten. Es war unbeschreiblich zu sehen wie der Kardiologe aus Baghdad, ein Verwandter von Saddam Hussein, den Hörer in die Hand nahm und den Fall mit dem israelischen Kardiologe Akiva Tamir besprach. MIthilfe der israelischen Botschaft in Jordanien, war das Baby nach einer Woche im Wolfson Medical Center (hier ein Video der gesamten Geschichte).

Wieder einmal wurde aus einem Rinnsal ein Bach und ist durch Gottes Gnade dabei sich weiter zu vergrößern. Heute kommen pro Jahr vierzig irakische Kinder für Herzoperationen in den Krankenhäusern Wolfson, Sheba und Schneider. Jedes Kind und ein Elternteil wohnen in den Wochen vor und nach der OP in Prophets Street 29, zusammen mit dem wachsenden Mitarbeiterstab aus ausländischen und lokalen Volontären von Shevet Achim.

Besucher sind jederzeit willkommen um die Kinder zu treffen und auf eine Tasse Tee oder eine gesellige Mahlzeit zu bleiben. Shevet Achim ist dankbar Seite an Seite mit dem Volk Israel zu arbeiten und wir erfüllen immer noch die Vision von Dr. Sandretzky - verwurzelt in der hebräischen Heiligen Schrift - unser Nachbars Kind genauso zu lieben wie wir unser eigenes lieben.

PS: Seit dem Verfassen dieses Kapitels hat Israel auch die Grenzen geöffnet um syrischen Flüchtlingskindern zu helfen. Ein vierjähriges Mädchen war die Erste, die im Mai 2013 für eine erfolgreiche Herzoperation eintraf, und ein dreijähriger Junge ist zum jetzigen Zeitpunkt bei uns.